Echte Krieger

Der Franzose Junior hat Polio. Und ist einer der besten B-Boys seiner Generation.

Der Franzose Junior lebt seit seinem zweiten Lebensjahr mit Polio. Die Krankheit hat ihn auf seinem Weg begleitet: dem Weg zu einem der herausragenden B-Boys seiner Generation. 

Sein rechtes Bein? “Es ist da, mehr aber auch nicht”, sagt Junior lachend. Geboren 1981 im Kongo infizierte er sich als Zweijähriger mit Polio-Viren. Medizin gab es dort, wo seine Familie wohnte, keine. Seitdem lebt der 33-jährige Tänzer mit seiner Behinderung. Wobei, Behinderung? “Mein Körper hat mich zu meinem eigenen Style gezwungen. Natürlich gibt es Dinge, die ich nicht tun kann. Aber deshalb bin ich noch lange nicht behindert.” 

Die ersten Six-Steps in Richtung Tänzerkarriere machte Junior in den Jugendzentren von Saint Malo, eine kleine Hafenstadt im Nordwesten Frankreichs, in die er im Alter von fünf Jahren mit seinem Vater kam und dort bei Pflegeeltern aufwuchs. “In Frankreich war Breakdancing meine einzige Chance auf eine andere Art, ‘anders’ zu sein, wenn du verstehst, was ich meine.” Er trainierte seinen Oberkörper, bis er auf seinen Armen so gut laufen konnte wie manch einer nicht auf seinen Beinen. Mitte der neunziger Jahre formte er dann seine erste Crew und erkannte, dass Breakdance tatsächlich ein Ausweg sein konnte.  

“Breakdancing war und ist wie eine Therapie für mich.”

“Ich war ein sehr schüchterner, zurückgezogener Mensch. Breakdancing hat das geändert, es war wie eine Therapie für mich. Ich habe schon als Kind gespürt, dass ich mich durch das Tanzen am besten ausdrücken kann.” Junior zog nach Paris, hatte Erfolge mit Solo-Shows, aber auch mit seiner Crew, der Wanted Posse. Er begriff: Damit lässt sich Geld verdienen. Damit lässt sich ein Leben nach eigenen Vorstellungen leben. “Mein Leben besteht aus Herausforderungen. Red Bull Flying Illusion ist die größte künstlerische Herausforderung meines Lebens.” 

Als Mitglied der Dark Illusions gefällt sich Junior in der Rolle des Bösewichts. “Wir, die Dark Illusions, sind echte Krieger. Diese Rolle liegt mir. Wenn sich die Zuschauer ein bisschen vor uns fürchten, haben wir alles richtig gemacht.” Junior lacht.In diesem Moment wirkt er gar nicht furchterregend. Eher entschlossen und wie einer, dem auch die größten Herausforderungen nichts anhaben können. Ein echter Krieger eben. Nur anders. “Wenn du verstehst, was ich meine.”

Die Highlights der Weltpremiere