Freeze vom Mond

RubberLegz ist der Freigeist der Szene. Er war Sprüher, Designer – und hat seinen ganz eigenen Stil.

Der Celler Sommer des Jahres 1998 sollte RubberLegz’ Leben verändern. Bewaffnet mit ein paar Sprühdosen wollte er an der Hall Of Fame des Battle Of The Year eigentlich nur ein bisschen malen. Aber dann kam alles anders. “Ich habe beim Battle Of The Year zum ersten Mal Breaker in meiner Stadt gesehen. Davor hat mich Tanzen kein Stück interessiert. Danach wollte ich sie sofort alle battlen.” 

Kurze Zeit später sah er zum ersten Mal das Video zu “It’s Like That” von Run DMC im Fernsehen. Da war es um ihn geschehen: Er ging ins Training und startete seine Karriere. Mit 15 gründete er seine erste Crew und begann, Battles am laufenden Meter zu gewinnen. 2003 nahm er gemeinsam mit Lil Amok, der ebenfalls bei Red Bull Flying Illusion tanzt, zum ersten Mal im Deutschland-Team an einem internationalen Event teil. Da war er 16, Amok sogar erst zwölf. “Und wir haben richtig Welle gemacht.”

Abstraktes Breakdance? “Ich bin B-Boy. Das reicht aus.”

RubberLegz’ größtes Pfund bei all dem ist sein ureigener Style. Immer wieder schraubt er seinen Körper in Figuren, die Physiotherapeuten und andere Laien in Angstschweiß versetzen. Schafft der das da noch raus? Wie kommt das Bein eigentlich genau noch mal hinter seinem Kopf hervor? “Ich habe mich stundenlang gedehnt. Überall. Zu jeder Zeit. Und dann sitzt du eben in deinem Zimmer und kickst dein Bein tausende Mal in Richtung Kopf. Und noch mal. Und noch mal.”

So entstand schließlich sein eigener Stil: der… ja was eigentlich? “Ich habe aufgehört, nach einem Namen für meinen Stil zu suchen. Es gibt einfach keinen. Viele nennen es abstraktes Breakdance. Aber ob das so stimmt!? Ich bin B-Boy. Und das reicht aus.”

“Mein Traum ist ein Freeze auf dem Mond.”

Ein paar Jahre fühlte er sich mit seinem Status als Anderer unter Gleichen pudelwohl. Das Lob von Pina Bausch, einer der profiliertesten deutschen Choreographinnen, beflügelte ihn zusätzlich. 2007 aber hatte RubberLegz keine Lust mehr auf die Breakdance-Szene: “Immer dieses Diskussionen! Ist das jetzt noch Breakdance, ja oder nein?” Viel zu engstirnig für einen Freigeist wie RubberLegz. Also zog er in die USA, arbeitete als Grafiker und Designer. Doch dann erfuhr er von Amok telefonisch von Red Bull Flying Illusion, woraufhin er sofort Feuer fing. Als Vartan ihn schließlich anrief, war er sofort dabei. “Ich habe sofort das riesige Potenzial des Stücks gesehen. Wenn wir schon die Möglichkeit haben, so eine Bühne zu bespielen, dann nutzen wir das auch bis aufs Letzte.”

Das haben RubberLegz und seine Kollegen genau so umgesetzt. Einen großen Traum will er sich aber noch erfüllen: als erster Mensch einen Freeze auf dem Mond zu machen. “Und mein Leben lang gesund und glücklich zu sein!” Manchmal paaren sich Ehrgeiz und Bescheidenheit eben auf wundersame Weise.

Die Highlights der Weltpremiere